FAQ

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

 


Was ist Schriftdolmetschen?

Schriftdolmetschen ist eine Kommunikationshilfe für hörgeschädigte Menschen, mit deren Hilfe gesprochene Sprache und akustische Informationen nahezu zeitgleich in Schriftsprache umgesetzt werden. So kann alles, was gesprochen wird, an einem Laptop oder einer Beamer-Leinwand mitgelesen werden.
Diese Art von „Live-Untertiteln“ ermöglicht Menschen mit Hörschädigungen die aktive und gleichberechtigte Teilnahme an Konferenzen, Arbeitsbesprechungen, Betriebsversammlungen,Vorlesungen und Prüfungen, den Besuch beim Arzt, bei Behörden oder vor Gericht und in vielen anderen Bereichen.


Welche verschiedenen Methoden des Schriftdolmetschens gibt es?

Es gibt drei verschiedene Methoden des Schriftdolmetschens.

Konventionelle Methode:

Das Schriftdolmetschen mit Tastatur und Zehnfingersystem wird als „Konventionelle Methode“ verstanden. Es werden normale Computer-Tastaturen, nach Möglichkeit geräuscharme Tastaturen benutzt. Die Anschlagszahl wird durch die Verwendung von Kürzelsystemen und Textmakros erhöht, mit deren Hilfe Wörter automatisch vervollständigt oder Abkürzungen durch Wörter ersetzt werden. Die Mitschrift wird live übertragen und kann auf einem Monitor oder Beamer mitgelesen werden.

Computerstenografie:

Bei der Computerstenografie wird die Tastatur einer Stenografiermaschine mit einer speziellen Computersoftware kombiniert. Mit Hilfe der Steno-Tastatur wird eine Kurzschrift erzeugt mit der drei- bis viermal schneller geschrieben werden kann als mit der traditionellen Langschrift. Diese Schnelligkeit wird durch die Verwendung von Buchstabenkombinationen und Kürzeln erreicht. Die Kurzschrift wird elektronisch gespeichert und durch die erwähnte Computersoftware in Langschrift (normale Schriftsprache) übersetzt. So kann der Text sofort simultan mitgelesen werden.

Spracherkennung:

Schriftdolmetschen mit Spracherkennnung heißt, die Schriftdolmetscherin oder der Schriftdolmetscher sprechen alles nach, was gesprochen wird. Eine spezielle Spracherkennungssoftware setzt mit einer kurzen Verzögerung die gesprochene Sprache in Schrift um und schon kann der Text auf einem Laptop oder einer Leinwand mitgelesen werden. Die Methode des Schriftdolmetschens ist sehr schnell, daher ist eine nahezu Wort-für-Wort-Dolmetschung des gesprochenen Wortes möglich.

Schriftdolmetscher optimieren die Leistung des Spracherkennungsprogramms durch generelles Training und gezielte inhaltliche Vorbereitung. Zum Beispiel werden zur Vorbereitung neue Begriffe eingelesen und das Vokabular wird auf das Thema der Veranstaltung angepasst. Hierfür wird ausreichend Vorbereitungsmaterial vom Kunden benötigt. Außerdem korrigieren Schriftdolmetscher den gedolmetschten Text des Kollegen oder der Kollegin (bei Zweierbesetzung) – sowie den eigenen (bei Einzelbesetzung) falls das Tempo der Sprecher das zulässt. Es werden gezielt Sprachkürzel eingesetzt, um Erkennungsfehler zu vermieden und Besonderheiten wie Sprecherwechsel, Applaus etc. zu kennzeichnen. Zudem werden Satzzeichen und Formatierungen etc. mitdiktiert, um die Lesbarkeit des Textes zu erhöhen.

Schriftdolmetscher mit Spracherkennung können mit einer speziellen Mikrofonmaske im selben Raum arbeiten, in dem gesprochen wird. Sie können aber auch in einem Nachbarraum oder in einer Dolmetschkabine mit einem Headset arbeiten.


Wer braucht Schriftdolmetscher?

Das Nutzen von Schriftdolmetscherdienstleistungen ist die richtige Wahl für Schwerhörige, Spätertaubte und CI-Träger. Sie sitzen oft „zwischen zwei Stühlen“, sie fühlen sich weder der hörenden Welt noch der Gemeinschaft der Gehörlosen zugehörig. Meist haben sie keine ausreichenden Gebärdensprachkenntnisse, die Nutzung von Gebärdensprachdolmetschern kommt daher für sie nicht in Frage.
Schriftdolmetschen ist eine wertvolle Ergänzung zur Hörtechnik, denn trotz Hörgerät, CI oder Induktionsschleife kann ein ausreichendes Sprachverständnis in ungünstigen Kommunikationssituationen (mehrere oder weit entfernte Gesprächspartner, schlechte Akustik, ungeignete Lichtverhältnisse) sehr schwierig sein. Zudem erfordert das Sprachverstehen eine hohe Konzentration und ist für hörgeschädigte Menschen eine viel größere Anstrengung als für Normalhörende. Auch deshalb kann eine visuelle Unterstützung sehr hilfreich sein.

Für Gehörlose kann Schriftdolmetschen nützlich sein, wenn z. B. im Studium der Stoff aus Vorlesungen und Seminaren festgehalten werden soll.

Auch Normalhörende profitieren von der entspannten Kommunikationsatmosphäre, bei der ihnen keine Information entgeht. Schließlich ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Gedächtnisleistung signifikant steigt, wenn bei der Informationsaufnahme und -verarbeitung mehrere Sinne beteiligt sind.

Der beim Schriftdolmetschen entstandene Text kann als Grundlage für ein Protokoll oder eine Mitschrift dienen. Hierzu muss der Ausgangstext überarbeitet werden. Insofern ist das Anfertigen eines Protokolls oder einer Mitschrift eine Sekundärleistung, die extra vergütet wird. Dieser Protokoll-Service ist heute jedoch in vielen Branchen unverzichtbar. Unternehmen sparen so wertvolle Arbeitszeit.


Wo kommen Schriftdolmetscher zum Einsatz?

Schriftdolmetscher kommen in vielen verschiedenen Bereichen zum Einsatz,zum Beispiel bei:

  • Kongressen, Konferenzen und Fachtagungen
  • Besprechungen, Sitzungen und Versammlungen
  • Aus-, Weiter- und Fortbildungen in Schule, Studium und Beruf
  • Betriebsversammlungen und Schwerbehindertenversammlungen
  • Teamsitzungen und Konfliktgesprächen am Arbeitsplatz
  • Personalentwicklungsgesprächen und Kündigungsverhandlungen in Unternehmen
  • politischen Veranstaltungen von Parteien oder Verbänden
  • Rechtsanwalts- und Notarbesuchen
  • Gericht und Polizei
  • Arztbesuchen und Operationsvorgesprächen
  • Beratungsgesprächen bei Krankenkassen und Servicestellen,
  • Kulturveranstaltungen und Theateraufführungen
  • Gottesdiensten


Was muss beachtet werden, wenn Schriftdolmetscher zum Einsatz kommen?

Beim Schriftdolmetschen mit Spracherkennung ist es wünschenswert, dass ein kleiner Nachbarraum vorhanden ist, in dem der Schriftdolmetscher sitzen kann. Ist dies nicht der Fall, kann auch mit einer schallschluckenden Mikrofonmaske gearbeitet werden. Sind Dolmetschkabinen vorhanden, werden diese von Spracherkennungsschriftdolmetschern sehr gern genutzt.
Schriftdolmetscher müssen während ihres Einsatzes vor allem gut hören können.

Des Weiteren müssen ein Tisch mit zwei Stühlen und in dessen Nähe ein Stromanschluss vorhanden sein. Wenn der geschriftdolmetschte Text gebeamt werden soll, muss ein (ausreichend langes) VGA- oder HDMI-Kabel für eine Verbindung zwischen Beamer und Laptop des Schriftdolmetschers/der Schriftdolmetscherin vorhanden sein.
Bei längeren Einsätzen – ab einer Einsatzzeit von maximal 60 Minuten – ist eine Doppelbesetzung notwendig, denn dann sinkt die Konzentration und es kann nicht mehr so schnell und korrekt gedolmetscht werden.
Um sich angemessen vorbereiten zu können und eine bestmögliche Arbeit zu leisten, benötigen Schriftdolmetscher Vorbereitungsmaterial. Es ist deshalb wichtig, vor dem geplanten Einsatz Informationen, Manuskripte, Powerpoint-Präsentationen, Handouts, Tagesordnungen etc. zu senden. Dieses Material wird ausschließlich zum Zwecke der Vorbereitung auf die Veranstaltung genutzt.
Die Sprecher sollten sich für alle Zuhörer, aber vor allem für die hörgeschädigten Teilnehmer und den oder die Schriftdolmetscher bemühen, deutlich und etwas langsamer zu sprechen.


Wer bezahlt die Schriftdolmetscherdienstleistung?

Der gesetzliche Anspruch von hörgeschädigten Personen auf einen Schriftdolmetscher ist in der Kommunikationshilfenverordnung des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes (BGG) und im Sozialgesetzbuch Neun (SGB IX) geregelt. Die entstehenden Kosten werden aufgrund dieser gesetzlichen Bestimmungen in vielen Bereichen von den entsprechenden Kostenträgern übernommen. Das sind insbesondere das Integrationsamt, die Agentur für Arbeit, die Krankenkassen, die Rentenversicherungen, das Studentenwerk etc.


Was kostet der Einsatz von Schriftdolmetschern?

Die Kosten für den Einsatz von Schriftdolmetschern ist abhängig von der Art und Dauer des Einsatzes. Grundsätzlich wird der Einsatz von Schriftdolmetschern stundenweise abgerechnet. Die Höhe des Stundensatzes ist gesetzlich geregelt.

Welcher Kostensatz infrage kommt, hängt vom jeweiligen Einsatz ab. Arbeitet ein Schriftdolmetscher beispielsweise bei Gericht, ist das JVEG (Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz, Gesetz über die Vergütung von Sachverständigen,Dolmetscherinnen, Dolmetschern, Übersetzerinnen und Übersetzern usw.) wirksam. Am 1.8.2013 trat das 2. Kostenrechtsmodernisierungsgesetz in Kraft.

Bei der Förderung der Teilhabe von schwerbehinderten Menschen am Arbeitsleben hingegen richtet sich der Kostenansatz nach den Empfehlungen der BIH (Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen). Da bundesweit keine Einigung erzielt werden konnte, sind die Kostensätze für Schriftdolmetscher gemäß BIH von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Daher ist es nötig, den entsprechenden Stundensatz für das jeweilige Bundesland einzeln zu erfragen.

Schriftdolmetscher haben Anspruch auf die Vergütung der Einsatzzeit, Pausen und etwaiger Wartezeiten sowie der Fahrtzeit. Hinzu kommen die Erstattung von Fahrtkosten und etwaiger Übernachtungskosten.

Ab einer Einsatzdauer von einer Stunde arbeiten Schriftdolmetscher zu zweit.


Wer darf sich Schriftdolmetscher oder Schriftdolmetscherin nennen?

Die Berufsbezeichnung “Schriftdolmetscher“ oder “Schriftdolmetscherin“ ist noch relativ neu und bisher nicht geschützt. Der Bundesverband der Schriftdolmetscher Deutschlands bereitet jedoch intensiv eine Staatliche Prüfung für Schriftdolmetscher an der Hessischen Lehrkräfte Akademie in Darmstadt vor.
Um die Qualität der Arbeit der Schriftdolmetscher zu gewährleisten, empfiehlt sich momentan die Orientierung an gültigen Qualifizierungsnachweisen, die von den Kostenträgern (www.integrationsaemter.de) anerkannt werden, wie z.B. Zertifikate des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB e.V.) und der Kombia GbR. Kunden und Auftraggeber können dann sicher sein, dass der Schriftdolmetscher oder die Schriftdolmetscherin eine Ausbildung und/oder eine Prüfung erfolgreich abgelegt haben, bei der die verschiedenen Bereiche des Schriftdolmetschens abgeprüft wurden (z. B. die Kommunikation mit Hörgeschädigten, das Einhalten der Dolmetscherrolle, das Erstellen einer Mitschrift oder eines Protokolls.)


Wie können Sie Schriftdolmetscher beauftragen?

Wenn Sie Schriftdolmetscherleistungen benötigen, senden Sie eine Anfrage mit relevanten Daten wie z. B. das genaue Datum des Einsatzes, den Einsatzort, die Dauer der Veranstaltung etc.

Solch eine Anfrage können Sie uns z. B. über unser Kontaktformular (http://www.schriftdolmetscher-berlin.de/kontakt/) schicken. Sie erhalten dann ein kostenloses, unverbindliches Angebot, dem Sie die Kosten für den Einsatz entnehmen können. Falls Sie noch keinen Bewilligungsbescheid haben oder die Kostenübernahme noch nicht geklärt ist, reichen Sie das Angebot bei dem entsprechenden Kostenträger, z. B. beim Integrationsamt ein.

Bedenken Sie, dass die Bearbeitung Ihres Antrages auf Kostenübernahme bei den entsprechenden Kostenträgern längere Zeit in Anspruch nehmen kann. Wir helfen Ihnen gern.

Wenn Ihr Antrag auf Kostenübernahme bewilligt wurde, bitten wir Sie für eine Buchung um eine kurze Auftragsbestätigung per Fax oder per E-Mail. Ihre Anfrage gilt dann als angenommen und verbindlich.

Wenn Sie eine Mitschrift oder ein Protokoll wünschen, bitten wie Sie um eine Beauftragung vor dem Einsatz, da nach dem Einsatz der erzeugte Text einschließlich aller Daten gelöscht wird.


Wie gehen Schriftdolmetscher mit Ihren Daten um?

Schriftdolmetscher sind an eine Berufs- und Ehrenordnung (http://www.bsd-ev.org), die allgemeine Rechte und Pflichten von Schriftdolmetscherinnen und Schriftdolmetschern (z.B. Verschwiegenheit, Gewissenhaftigkeit, Professionalität) beinhaltet, gebunden. Darüber hinaus unterliegen sie den gesetzlichen Regelungen der Schweigepflicht und des Datenschutzes.

Dies gilt auch für das von den Schriftdolmetschern benötigte Vorbereitungsmaterial wie Manuskripte, PowerPoint-Präsentationen etc. Dieses Material wird ausschließlich zum Zwecke der Vorbereitung auf die Veranstaltung genutzt.
Schriftdolmetscher handeln bei der Erfüllung eines Auftrages nach besten Wissen und Gewissen und übersetzen unparteiisch.


Wie entscheide ich mich zwischen der Beauftragung eines Gebärdensprachdolmetschers oder eines Schriftdolmetschers?

Meist weiß die Person mit Hörschädigung am besten, ob sie einen Schriftdolmetscher oder einen Gebärdensprachdolmetscher für eine Kommunikationsunterstützung benötigt.

Allgemein kann gesagt werden:

Ein Gebärdensprachdolmetscher wird beauftragt, wenn die Person mit Hörschädigung die Gebärdensprache als ihre Muttersprache benennt und/oder fließend versteht.

Ein Schriftdolmetscher wird beauftragt, wenn die Person mit Hörschädigung die Lautsprache in Schrift und Grammatik beherrscht, fließend lesen kann, dagegen über keine oder wenige Kenntnisse in der Deutschen Gebärdensprache verfügt.

Wir beraten Sie gern, wenn Sie Fragen haben.


Warum kann nicht einfach eine Schreibkraft die Aufgabe eines Schriftdolmetschers übernehmen?

Schriftdolmetscher haben eine spezielle Ausbildung durchlaufen, sie sind geschult in der Kommunikation mit Menschen mit Hörschädigung. Sie trainieren ihr auditives Gedächtnis, um auch in längeren Einsätzen eine gute Dolmetschleistung zu erbringen.

Sie verwenden spezielle Programme und ihre Funktionen, um eine hohe Geschwindigkeit (bis zu 1000 Anschlägen pro Minute) in der Umsetzung des gesprochenen Wortes zu erreichen.

Schriftdolmetscher sind außerdem an eine Berufs- und Ehrenordnung gebunden.

Sie verhalten sich in der Dolmetschsituation angemessen und professionell.


Warum können bei Veranstaltungen nicht einfach die Sprecher selbst in das Mikro der Spracherkennungssoftware sprechen?

Spracherkennungsprogramme sind zur Zeit noch sprechergebunden. Sie werden auf den jeweiligen Sprecher trainiert, um eine sehr gute Erkennungsleistung zu erzielen.
Unabhängig davon werden im Sinne einer leserlichen Gestaltung des Textflusses Satzzeichen wie „Punkt“, „Komma“ und Formatierungsbefehle wie „Neuer Absatz“ mit diktiert. Ein Referent müsste dann in dieser Weise vor seinem Publikum sprechen:

„Sehr geehrte Damen und Herren Komma Neue-Zeile herzlich willkommen zu unserer heutigen Veranstaltung Punkt Ich freue mich Komma dass Sie so zahlreich erschienen sind Punkt“.

Außerdem kann der Schriftdolmetscher auf Wunsch eine regulative Funktion haben, wenn dem Wortlaut eines Sprechers nicht ohne Weiteres zu folgen und beispielsweise eine Zusammenfassung des gesprochenes Wortes notwendig ist.

Die Schriftdolmetscherinnen