Schlagwort-Archive: ethikrat

Rückblick 2017

“Fahr wohl, du altes Jahr mit Freud und Leiden! Der Himmel schenkt ein neues…” (Annette von Droste-Hülshoff)

Das alte Jahr ist vergangen und wir können ohne Übertreibung sagen, dass es das aufregendste in unserem bisherigen Hörsicht-Dasein war.

Zu den Highlights gehörten zweifellos zwei Veranstaltungen im Rahmen des Deutschen Evangelischen Kirchentages: Am 25. Mai versammelten sich in Berlin zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor ca. 80.000 Menschen, um der Podiumsdiskussion mit Barack Obama und Angela Merkel zu folgen. Hinter dem Brandenburger Tor in einem Container, der am Abend zuvor Max Giesinger als Künstlergarderobe gedient hatte, saßen wir, um das Gespräch auf der Bühne zu schriftdolmetschen. Mehr Aufregung, mehr Zauber beim Schriftdolmetschen geht nicht 🙂

Schriftdolmetscherin in Aktion während einer DIskussion mit Obama.

Gruppenfoto mit Obama.

Bei einer gemeinsamen Bibelarbeit am 26.05. betrachteten der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, die alttestamentliche Geschichte der Zwillingsbrüder Jakob und Esau. Es ist eine Geschichte des Konfliktes, wie es ihn in der ganzen Welt in vielfältiger Zahl gibt, zwischen Völkern, Kulturen, Religionen, zwischen Familien und Nachbarn. Die Geschichte von Jakob und Esau hat uns berührt und sie hat uns gezeigt: Worauf es ankommt, ist Geschwisterlichkeit 😉

Am 21.06. 2017 schriftdolmetschten wir die Jahrestagung des Deutschen Ethikrates zum Thema “Autonome Systeme. Wie intelligente Maschinen uns verändern“. Der Vorsitzende des Ethikrates, Peter Dabrock, fragte zu Beginn der Tagung: “Können wir im Meer unserer Datenströme selbstbestimmt wir selbst bleiben, oder stolpern wir – mehr berauscht als bewusst – vor lauter Freude an Miniaturverbesserungen unseres Alltages in eine Unmündigkeitsfalle hinein?”
(Quelle: http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2017/pressemitteilung-05-2017)

Prof. Dr. Dabrock, der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, während der Eröffnung der Jahrestagung zum Thema "Autonome Systeme" © Deutscher Ethikrat.
Prof. Dr. Dabrock, der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, während der Eröffnung der Jahrestagung zum Thema “Autonome Systeme” © Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen

Im Laufe des Tages wurden zahlreiche ethische, rechtliche und soziale Fragen zum Thema Autonome Systeme diskutiert. Das Resümee des Tages zog die Schriftstellerin, Dramaturgin und Fernsehmoderatorin Thea Dorn. In einem Radiokommentar hatte sie zuvor gesagt, „autonom wären die Systeme erst an dem Tag, an dem das selbstfahrende Auto seinem Benutzer sagen kann: „Du, ich hab nachgedacht, dieses ewige durch die Stadt Fahren erfüllt mich nicht, ich glaube, ich werde Pflegeroboter.“ (Quelle: http://www.ethikrat.org/dateien/pdf/jt-21-06-2017-simultanmitschrift.pdf, S. 152)

Die Schriftstellerin Thea Dorn während der Jahrestagung zum Thema "Autonome Systeme" © Deutscher Ethikrat.
Die Schriftstellerin Thea Dorn während der Jahrestagung zum Thema
“Autonome Systeme” © Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen

Zwei weitere Höhepunkte des Jahres waren unsere Reisen nach Marokko und Frankreich, bei denen wir für eine Teilnehmerin des Seminars „Interkulturelle Lernprozesse in der nationalen und internationalen Jugend- und Bildungsarbeit“ als Schriftdolmetscherinnen dabei waren. Der erste Teil des Seminars, das vom Deutsch-Französischen Jugendwerk, den Les Petits Débrouillards und der Technischen Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg gGmbH) organisiert wurde, fand im September 2016 in Berlin statt. Wichtige Themen wie die eigene und nationale Identität, Vorurteile und Stereotypen, Integration, Inklusion und Diversität setzten die Teilnehmer aus drei Nationen mit vielfältigen, kreativen Methoden um, teilweise in rasantem Tempo und an wechselnden Seminarorten, was eine wahre Herausforderung für uns war …

Low-Tec-Schriftdolmetschen an der marokkanischen Antlantikküste
Low-Tec-Schriftdolmetschen an der marokkanischen Antlantikküste
Mobiles Schriftdolmetschen beim Besuch einer Ausstellung in Marseille
Mobiles Schriftdolmetschen beim Besuch einer Ausstellung in Marseille

Unter dem Motto “Inklusionstage International” fanden am 4. und 5. Dezember 2017 die fünften Inklusionstage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales statt. Dazu hatte das Ministerium Vertreter von Projekten aus verschiedenen Ländern der Welt eingeladen, z. B. aus Äthiopien, Bangladesch, Japan und Peru. Ca. 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich über gute Beispiele von Inklusion aus insgesamt 24 Ländern in verschiedenen Workshops zu den Themen “Arbeit, Bildung, Barrierefreiheit, Persönlichkeitsrechte, Leistungserbringung im Wandel, Frauen mit Behinderungen und Katastrophenvorsorge” informiert. Es war sehr spannend, Teil einer „Dolmetschprozesskette“ mit vielen Gliedern zu sein. Gedolmetscht wurde z. B. auch in englische Schriftsprache, in Internationale Gebärdensprache und Leichte Sprache. Erstmalig bei den Inklusionstagen waren auch taube Gebärdensprachdolmetscher dabei.

Yetnebersh Nigussie, Senior Inclusion Adviser, Light for the World International und Preisträgerin des Alternativen Nobelpreises während ihres Vortrages: „Menschenrechtspolitik aus Sicht von Menschen mit Behinderungen“ bei den Inklusionstagen 2017
Yetnebersh Nigussie, Senior Inclusion Adviser, Light for the World International und Preisträgerin des Alternativen Nobelpreises während ihres Vortrages: „Menschenrechtspolitik aus Sicht von Menschen mit Behinderungen“ bei den Inklusionstagen 2017

Am 15. Dezember 2017 kamen auf Einladung des Deutschen Ethikrates Vertreter der Ethikräte Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zu Beratungen in Berlin zusammen. Schwerpunkt dieses Treffens war das Thema Big Data und Gesundheit. Nach diesem Treffen ging unser berufliches Jahr zu Ende und wir freuten uns auf eine kleine Auszeit und das Weihnachtsfest.

Wir hoffen, auch Sie hatten ein gesegnetes Weihnachtsfest, frohe Chanukka oder einfach nur entspannte freie Tage. Für das Jahr 2018 wünschen wir Ihnen und uns Energie und Kraft, Gesundheit und Freude und ein angenehmes Maß an beruflicher Herausforderung.

Auf ein Neues – bleiben Sie uns verbunden! 🙂

Trilaterales Treffen der Ethikräte Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens

Der Deutsche Ethikrat hat – einer langjährigen Tradition folgend – die Ethikräte Frankreichs (Comité consultatif national d’éthique, CCNE) und Großbritanniens (Nuffield Council on Bioethics) zu einem trilateralen Treffen am 8. November 2012 nach Berlin eingeladen.

Im Dialog mit den Gästen aus Frankreich und Großbritannien hat der Deutsche Ethikrat aktuelle Entwicklungen im Bereich der Bioethik und der Zusammenarbeit auf europäischer Ebene diskutiert, darunter unter anderen folgende Themen: Mitochondrialer Transfer zur Behandlung von Erbkrankheiten (Nuffield Council), Neueste Neurotechnologien (Nuffield Council), Demenz und Selbstbestimmung (Deutscher Ethikrat) und Neuroimaging und Neuroenhancement (CCNE).

Die ganztägige Veranstaltung fand im Ballsaal des Hilton Hotels am Gendarmenmarkt in Berlin statt und wurde von Hörsicht geschriftdolmetscht.

Trilaterales Treffen der Ethikräte Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens
Trilaterales Treffen der Ethikräte Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens

(Text und Foto: Deutscher Ethikrat)

Sitzung des Deutschen Ethikrates zur Suizidbeihilfe

Der Deutsche Ethikrat hat sich am Donnerstag, den 27. 09. 2012 sowohl in öffentlicher als auch nicht öffentlicher Sitzung mit Fragen der Suizidbeihilfe auseinandergesetzt und dabei den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur gesetzlichen Regelung der gewerbsmäßigen Suizidbeihilfe in den Blick genommen. Dabei sind die enorme Komplexität des Themas und die Schwierigkeiten bei der Abgrenzung unterschiedlicher Fallkonstellationen der Suizidbeihilfe erneut deutlich geworden.

Der Ethikrat begrüßt grundsätzlich das Vorhaben der Bundesregierung, die organisierte Suizidbeihilfe gesetzlich zu regeln. Er ist allerdings mehrheitlich der Auffassung, dass der vorliegende Gesetzentwurf mehr Probleme als Lösungen schafft. Der Rat sieht vor allem die Gefahr, dass durch die Beschränkung auf die gewerbsmäßige Suizidbeihilfe größere Anreize für andere Formen der organisierten Suizidbeihilfe, die in diesem Entwurf unberücksichtigt bleiben, geschaffen werden. Daher plädiert der Ethikrat dafür, jede Form der organisierten Suizidbeihilfe zu regulieren, wobei die Regulierungsrichtung kontrovers diskutiert wurde.

Vor diesem Hintergrund hält der Ethikrat eine weitere gesellschaftliche Debatte für dringend erforderlich. Sie sollte sich nicht nur auf Fragen der Suizidbeihilfe begrenzen, sondern auch und vor allem die Stärkung der Suizidprävention sowie den Ausbau der Palliativmedizin und -pflege in der medizinischen Praxis und in der Aus- und Weiterbildung befördern.

Grundlage der Diskussion des Ethikrates waren Vorträge von Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer; Marion Schafroth, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Sterbehilfeorganisation EXIT; Brigitte Tag vom Kompetenzzentrum Medizin – Ethik – Recht Helvetiae in Zürich sowie Armin Schmidtke, Vorsitzender des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland.

(Text: Deutscher Ethikrat)

 

Die einzelnen Vorträge und die Diskussion wurden von Hörsicht in Schriftsprache übersetzt.

 

Hörsicht hatte auch die öffentliche Plenarsitzung des Deutschen Ethikrates zum Thema: „Beschneidung minderjähriger Jungen aus religiösen und weltanschaulichen Gründen“, die am 23. August 2012 unter großer öffentlicher und medialer Begleitung stattfand, geschriftdolmetscht.

 

Publikum
Publikum

(Foto: Deutscher Ethikrat)

Öffentliche Anhörung des Deutschen Ethikrates am 22.März 2012

 

 

Öffentliche Anhörung des Deutschen Ethikrates zum Thema “Wissenschaftlich-technische Entwicklungen im Bereich der Multiplex- und High-throughput-Diagnostik” am 22.März 2012

Am 22. März 2012 hat sich der Deutsche Ethikrat im Rahmen einer öffentlichen Anhörung in Berlin über die neusten technischen Verfahren der Gendiagnostik und ihren Einsatz in der medizinischen Praxis informiert. Experten aus den Bereichen der wissenschaftlich-technischen Entwicklung und der praktischen Anwendung gaben dem Ethikrat zu den neusten Entwicklungen Auskunft. Bei dieser Anhörung wurde für die Schriftdolmetscherinnen eine Dolmetschkabine bereit gestellt. Hörsicht schriftdolmetschte die Begrüßung durch den Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, Prof. Dr. iur. Edzard Schmidt-Jortzig, eine Einführung von Frau Prof. Dr. rer. nat. Regine Kollek, den ersten Block zum Thema: „Aktueller Stand und zukünftige Entwicklung von High-throughput-Techniken zur Analyse von prädiktiven Biomarkern“ und einen zweiten Block: „ Verfahren in der Anwendung: prädiktive und pränatale molekulargenetische Diagnostik“.

In den beiden sich anschließenden Diskussionsrunden interessierten sich die Mitglieder des Ethikrates insbesondere für Fragen der Qualitätssicherung, der Fehleranfälligkeit der Daten sowie für die Kosten der Verfahren.

Hintergrund ist die Stellungnahme zur Zukunft der genetischen Diagnostik, die der Deutsche Ethikrat derzeit im Auftrag der Bundesregierung erarbeitet.

(Text und Foto: Deutscher Ethikrat)